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Seito Boei

Seito Boei ist eine Selbstverteidigungstechnik, die 1977 in Wien gegründet wurde. Am Ende der Siebziger Jahre wird Gewalt gegen Frauen dank den Bemühungen der Frauenbewegung immer mehr zum Thema, Frauen werden sich ihrer Situation bewußt und fordern praktische Lösungen. Hie und da werden Selbstverteidigungskurse aus dem Boden gestampft, oft nicht mehr als vereinfachte Kampfsportkurse für Frauen. Die GründerInnen des Seito Boei, Dr. Margit Kafka, Gynäkologin und Ärztin in traditioneller chinesischer Medizin, und Ihor Atamaniuk, sind ebenfalls in mehreren Kampfkünsten, insbesondere dem Ju Jutsu, aktiv. Sie sind sich bewußt, dass dies nicht die Ansprüche von Selbstverteidigung erfüllt, und sehen die Notwendigkeit, ein eigenes Techniksystem für Frauen zu entwickeln, um ihnen die Mittel in die Hand zu geben, sich gegen Gewalt zu wehren.

Diese Techniken sollen einfach und leicht zu erlernen sein, nicht zu viel Sportlichkeit verlangen, um für alle zugänglich zu sein, ohne lange Jahre intensiven Trainings. Eine weiteres Bedürfnis ist die Abgrenzung vom philosophischen, ideologischen und ästhetischen System und dem freiwilligen Kampf zwischen Gleichen, der in den meisten Kampfkünsten zu finden ist.

Ausgehend von einer Analyse der Gewaltformen, denen Frauen am häufigsten ausgesetzt sind, sowie den Bedingungen und Umständen von Gewalt entwickeln Margit Kafka und Ihor Atamaniuk eine ganzheitliche Technik aus den am besten für Frauen und diese Situationen geeigneten Schläge und Griffe aus verschiedenen Kampfkünsten. Ausserdem fügen sie Kommunikationsinstrumente und Nachdenkmomente hinzu.

Die Philosophie

Von Anfang an sucht das (OnnaNo) Seito Boei, japanisch für Notwehr (für Frauen), sich von der "Damenselbstverteidigung" zu unterscheiden. Aus diesem Grund wird der Name bewußt gewählt: Notwehr antwortet auf reale Angriffe auf Frauen, nicht auf mythenumrankte Angriffe auf ihre soziale Rolle. Der Name will ebenso signalisieren, daß Selbstverteidigung Notwehr ist und nicht etwa ein Ausdruck weiblicher Aggressivität. Darum wird Seito Boei ausschließlich von Trainerinnen an Frauen und Mädchen weitergegeben.

Seito Boei beruht auf vier Grundprinzipien:

  • eine mental-imaginative Trainingsmethode;
  • das Verständnis der Psychodynamik von Angriffssituationen, einschließlich von Belästigung;
  • das energetische Konzept der Akkupunktur;
  • ganzheitliche körperliche Techniken, die natürliche Bewegungsabläufe ausnutzen und keine körpersprachlichen Signale aussenden, die eine aggressive Reaktion provozieren könnten.

Seito Boei hat sich schnell ausgebreitet, vorerst aus einer informellen Gruppe aus ca 15 Trainerinnen, die Kurse und Ausbildungen organisierten. Schließlich wurde am Beginn der Neunziger Jahre ein Verein gegründet. Seit seinen Anfängen erlernten Tausende von Frauen in Österreich Seito Boei. Es wurden eigene Kurse für Mädchen, ältere Frauen und Frauen mit geistigen Behinderungen entwickelt. Spezielle Programme wurden mit Schulen und Gewerkschaften organisiert. In manchen Sozialakademien wurden Seito-Boei-Kurse ins Schulprogramm aufgenommen.

Seit 2000 lehrt Garance Seito Boei auch in Belgien sowie in Luxemburg und Mexiko.


© Garance ASBL, Juli 2006